Tierischer Besuch

Tierischer Besuch

Heute ist es wieder soweit. Wie schon oft in den vergangen 2 Jahren besucht uns heute wieder mein bester Kumpel Indi. Diesmal bleibt er für 3 Tage bei uns. Super, dann können wir wieder miteinander die Tage verbringen.

Auch wenn Indi nicht wie ich Italiener, sondern Spanier ist, haben wir dennoch keinerlei Verständigungsschwierigkeiten. Wir verstehen uns sehr gut. Wir sind uns nämlich sehr ähnlich: beide haben wir gelockte Haare, Schwimmhäute zwischen den Zehen, eine Vorliebe für spielerische Vogeljagd ( leider von Frauchen unerwünscht, warum auch immer ) und eine perfekte Nase, vor allem für jegliche Wildgerüche. Auch das findet mein Frauchen nicht so toll. Keine Ahnung ob ich, resp. wir, das je verstehen werden. Die riechen so gut, dass wir gar nicht verstehen, dass Hund da noch ruhig und gelassen sein soll. Wir sind nämlich der Ansicht, dass diese Wildgerüche eine Einladung für das Spiel: Suchen und Fangen ist. Zwar haben wir durch intensives Training im Wald, mittlerweile gelernt unsere Instinkte zu zügeln und können uns meistens auch gut beherrschen. Doch die Wahrnehmung mit unseren Nasen macht es uns nicht leicht. Das sei der Grund, sagt mein Frauchen, weshalb wir im Wald immer angeleint sind. Schade eigentlich.

Ganz zu Beginn unserer Freundschaft musste ich Indi beibringen, dass das Federvieh (Hühner) bei mir zu Hause nicht zum Spielen da ist. Auch die anderen zwei Rudelmitglieder, Mieze Lulu und Mieze Laila waren nicht erfreut über die überschwänglichen Spielaufforderungen von Indi. So kam es schon mal vor, dass eine wilde Jagd die Treppe hinauf stattfand, weil Indi dachte, das Schwanzwedeln der Katze sei eine Einladung zum Spielen. Puh, war das anstrengend immer hinterher zu rennen, um Indi mitzuteilen, dass er die Miezen falsch versteht. Ja klar, es war bestimmt nicht leicht für Indi das zu kapieren, vor allem weil Laila die souveräne Mieze ist und Indie von Anfang an an sich schnuppern liess und Lulu eine totale Zicke und sich auch heute noch zickig verhält. Mein Frauchen hat mir dann nach einer Weile gesagt ich solle Indi mal einfach machen lassen, Lulu würde sich schon unmissverständlich erklären. Das stimmt. Nach einigen Besuchen und ebenso vielen Seitenhieben von Lulu hat Indi verstanden. Wisst ihr, Indi hat zeitweise eine enorme Ausdauer und wollte einfach nicht glauben, dass nicht alle Katzen gleich sind. Heute ist ihm klar, dass ihn nur Laila freudig mit einem Nase zu Nase Stupser begrüsst. Lulu aber nur arrogant irgendwo hockt, ihn argwöhnisch betrachtet und absolut kein Interesse an persönlichem Kontakt hat. Nur wenn es ums Futtern geht, kann es sein, dass Indi mal näher an Lulu rankommt, natürlich nur mit Laila als Abstandhalter dazwischen. Wenn es hingegen für uns Hunde was zu essen gibt, so darf auch Laila bei Indi mitessen. Dazu müsst ihr wissen, dass wir beinahe alles miteinander teilen, also ich teile alles mit Indi oder den Katzen, selbst meine Kauknochen. Die Miezen sind da schon egoistischer, wenn es um ihr Futter geht. Die sind dann ziemlich doof drauf und lassen uns partout nicht an den Napf.

Auch meine vielen Betten und Liegeflächen, darf Indi mitbenutzen. Sei es im oberen Stockwerk, im Unteren, oder draussen vor der Küchentüre. Was ich aber das Allerbeste an den Besuchen von Indi finde: unser gemeinsames Toben im Garten und die Spaziergänge in freier Natur.

Es ist herrlich mit Indi zu raufen und unsere Kräfte zu messen. Auch mit unseren Stimmen dürfen wir dann mitmachen. Da hat mein Frauchen nicht dieselbe strenge Einstellung, wie beim Verbellen von Spaziergängern, die am Grundstück vorbei gehen. Ok wir dürfen zwar für einen kurzen Moment laut mitteilen, dass jemand vorbeiläuft, aber dann müssen wir wieder ruhig sein. Das fällt Indi dann oftmals ein bisschen schwerer als mir. Er ist es jedenfalls, der immer den letzten Beller hinterherruft, bis er es widerwillig auf Anweisung meines Frauchens sein lässt.

Beim Raufen aber dürfen wir in allen Tonvarianten unser Spiel lautstark unterstreichen. Das macht uns beiden Spass. Mein Frauchen meint dann jeweils: wenn man uns nur zuhöre, könnte man fast meinen wir hätten einen ernsten Kampf. Da seht ihr wie cool, stark und männlich unsere Stimmen tönen können. Ja und ehrlich gesagt: das sind doch die wenigen tollen Momente wo wir im wahrsten Sinne des Wortes die Sau rauslassen dürfen und dies natürlich auch intensiv tun und geniessen. Ansonsten sind wir nämlich zwei brave und total friedfertige Hunde, die in der Regel auch keinen Grund haben zu Bellen oder zu Knurren und somit fast lautlos in der freien Natur anzutreffen sind.

Mit fast lautlos meine ich die Zeiten, an denen wir brav an der Leine laufen. Da hat mir Indi einiges beigebracht. Brav an der Leine laufen, da hatte ich enorme Mühe. Ich dachte lange Zeit, dass die Leine immer straff sein muss und so habe ich natürlich immer hefitg daran gezogen und mein Frauchen oft zur Verzweiflung gebracht. Ich wollte nämlich nicht einsehen, dass auch lockeres Gehen an der Leine möglich ist. Mit Indi habe ich aber gelernt, dass Pullen gar nicht nötig ist und ich dennoch vorwärtskomme.

Wenn wir hingegen Freilauf haben, dann sind wir nicht zu überhören. Wir rennen abwechselnd hintereinander her, spielen Fangen und rufen unsere Freude darüber in die weite Welt hinaus. Da vergessen wir auch total, dass Vögel rumfliegen, denen wir hinterherhechten könnten.

Wenn ich die vergangenen zwei Jahre Revue passieren lasse, bin ich meinem Frauchen dankbar. Dankbar, dass sie im Zug nach Bern den damals noch sehr jungen Indi und sein Frauchen kennengelernt hat. Und dankbar, dass das Frauchen von Indi und mein Frauchen gemeinsam beschlossen haben, uns junge Hunde zusammen zu bringen. Ihr müsst wissen, dass ich nur 6 Monate älter bin als Indi und beide Frauchen dachten, es wäre bestimmt toll, wenn wir, also Indi und ich regelmässig gemeinsam durch unser Hundeleben gehen können. Und so kam es, dass Indi und ich uns kennen gelernt haben. Es passte von Anfang an, wir verstehen und prima und wir ergänzen uns auch perfekt. Beide können wir von den Stärken des jeweils anderen profitieren und eigene Schwächen damit abbauen.

Mit Indi habe ich einen Kumpel gefunden, der Teil meines Lebens ist und weiterhin sein wird.

Also warte ich nun auf dem Moment in dem Indi heute wieder zu Besuch kommt und bin gespannt, was wir Neues erleben werden.

                                                                       Euer HOOTCH am 9.01.2020